Verletzt, und nun?

Der heutige Beitrag handelt nicht von Verletzungen an sich, der Verletzungsprophylaxe oder Reha-Tipps. Er gibt „lediglich“ meine aktuelle Situation wieder. Es ist eine Art Selbstreflexion.

Irgendwie ist bei mir seit ein Paar Wochen „der Wurm drin“. Zuerst Probleme mit der Wade, die mich in den letzten 4 Wochen zu einer Laufpause zwangen. Und jetzt, wo die Wade sich wieder erholt hat, Rippenprellung und Zerrung im Schultergelenk. Tja, Skifahren ist eben nicht ganz ungefährlich.

Solange „nur“ die Wade schmerzte, konnte ich mich mit funktionellem Krafttraining fit halten. Jetzt aber geht gar nichts mehr, und das voraussichtlich für mindestens die nächsten 3 bis 4 Wochen.

Ursachenforschung und Aufrechterhaltung meiner Motivation

Auch, wenn es mir nicht leicht fällt, versuche ich immer wieder, mich zu motivieren und mich auf die Zeit nach der verletzungsbedingten Pause zu freuen. Ich stelle mir vor, wie ich wieder unbeschwert laufe, Klimmzüge, Liegestütze, Dips mache, Seil springe und so weiter. Die mentale Stärke ist bei mir bisher leider noch etwas „unterentwickelt“. Ich habe schon öfter gelesen, dass die Muskulatur durch reine Vorstellungskraft erhalten bleiben kann, ohne in Wirklichkeit zu trainieren. Ich bin gespannt, ob mir das gelingen wird.

Meine Motivation erhalte ich mir auch, indem ich weiterhin viel lese (Sachbücher, Internet). So entwickle ich mich wenigstens, was meine theoretischen Kenntnisse angeht, weiter. Es gibt immer noch so viele tolle, interessante Sachbücher. Einige von Ihnen lese ich bereits parallel. Andere wiederum stehen noch auf meinem Wunschzettel bei Amazon und warten darauf, von mir gekauft zu werden. In diesem Zusammenhang kam mir die Idee, über die Bücher, die aus meiner Sicht absolut lesenswert sind, kurze Rezensionen auf meiner Homepage zu schreiben. Was hälst du davon?

Ich frage mich, ob mein Körper mich mit aller Gewalt dazu zwingen wollte, eine längere Regenerationspause einzulegen. Die letzten 3 Jahre habe ich ziemlich viel und intensiv trainiert. Zwar habe ich immer wieder einen Gang rausgenommen, denn eigentlich weiß ich um die Bedeutung der Regeneration, aber vielleicht war es einfach nicht genug. Selbst mit der verletzten Wade konnte ich mich beim Krafttraining immer noch ganz gut auspowern. Jetzt versuche ich, dieser Situation etwas Positives abzugewinnen und betrachte es als eine ausgedehnte Regenerationsphase.

Ich weiß jetzt umso mehr, warum ich Laufe, Krafttraining mache und mich (meistens) gesund ernähre. Ich will einfach noch sehr lange fit bleiben, auch in hohem Alter! Wenn du bei fast jeder Bewegung Schmerzen spürst (wenn du schon einmal eine Rippenprellung hattest, weißt du wovon ich spreche) und dich tlw. selbst nicht an- und ausziehen kannst, weil du den Arm nicht richtig bewegen kannst, bist du froh, dass es nur von relativ kurzer Dauer ist. Die Vorstellung, mit solchen oder vergleichbaren Schmerzen irgendwann (im Alter) dauerhaft leben zu müssen, würde mich wahnsinnig machen.

Aber warum bekam ich die Wadenprobleme, obwohl ich viel weniger Umfänge gelaufen bin als vorher?

Ich laufe seit ca. 10 Jahren auf dem Vorfuß, seit ca. 3 Jahren überwiegend in Minimalschuhen (0 mm Sprengung, kaum Dämpfung). Meine Wadenmuskulatur und die Achillessehnen sind gut ausgebildet und stark. Ich praktiziere regelmäßig das exzentrische Waden- und Achillessehnentraining nach Dr. Knobloch. Dennoch kämpfe ich seit ca. 2 Jahren mit Fersensporn und Haglundferse sowie anfänglichen Anlaufschmerzen am frühen Morgen. Zuletzt hatte ich auch noch an der Achillessehne schmerzhafte Verhärtungen, die mir den Spaß am Laufen raubten. Ob diese Beschwerdebilder vom Vorfußlauf, von meiner Supinationstendenz oder vielleicht hauptsächlich von den Minimalschuhen kommen, weiß ich nicht. Ich dachte, ich muss meinen Füßen etwas Zeit geben, sich an das neue Schuhwerk zu gewöhnen. Jetzt bin ich es aber leid und suche nach Antworten bzw. Lösungen.

Auf dieser Suche stieß ich auf das neue Buch von Dr. Matthias Marquardt „natural running: Schneller, leichter, schmerzfrei“. In diesem Buch beschreibt Dr. Marquardt die typischen Lauftechniken einschließlich deren Vor- und Nachteile. Am besten schneidet dabei der Mittelfußlaufstil ab. Als Nachteile des Vorfußlaufs führt Dr. Marquardt eine „höhere orthopädische Belastung für Fußsohle, Achillessehne und Wadenmuskulatur“ auf. Es treten dabei vermehrt Fersensporn und Achillessehnenentzündungen auf -ja, das Erste kann ich leider bestätigen-.

Die Lektüre dieses Buchs veranlasste mich dazu, meine Lautechnik in Richtung Mittelfuß langsam zu verändern. Beim aktiven Fußaufsatz achte ich zudem mehr darauf, dass ich eher neutral -über den großen Zeh- abrolle, und nicht mehr so stark supiniere. Dadurch belaste ich aber offensichtlich ganz „neue“ Muskelpartien, die bisher weniger Arbeit leisten mussten. Nur so kann ich mir diese Wadenverletzung erklären. Ich hoffe, dass ich mit meinen Waden keine Probleme mehr haben werde, wenn ich das Lauftraining wieder aufnehmen kann. Zudem hoffe ich, dass ich insgesamt wieder beschwerdefrei laufen kann.

Der Hamburg-Marathon 2015 scheint für mich kein Thema mehr zu sein. Ich wollte mich gerne als Pacemaker für meine Frau betätigen und freute mich auf diese Aufgabe, zumal in diesem Jahr die Jubiläumsauflage des größten Marathons in Norddeutschland stattfindet. Daraus wird wohl nichts mehr.

Die nächsten Ziele für dieses Jahr sind zunächst einmal wieder gesund zu werden und kurzfristig die Trainer C-Lizenz (DOSB) zu erwerben. Als eine kleine Herausforderung sehe ich des Weiteren an, mein Gewicht / meinen KFA bei einem relativ unveränderten Essverhalten in den nächsten 3-4 Wochen zu halten. Ich bin gespannt.

Wie gehst du mit Verletzungen um? Wendest du vielleicht besondere Mentaltechniken an (Meditation, autogenes Training), die den Genesungsprozess beschleunigen? Diese sind bei mir leider noch auf der „To-do-Liste“. Über deinen Kommentar freue ich mich sehr.

Dein Peter Buchmann

 

Foto: Pixelio.de, © cameraobscura, “Wird schon wieder”.

2 Gedanken zu „Verletzt, und nun?“

  1. „Ich habe schon öfter gelesen, dass die Muskulatur durch reine Vorstellungskraft erhalten bleiben kann, ohne in Wirklichkeit zu trainieren. “

    Klappt das auch mit dem Aufbau? Dann bestelle ich das Buch!

    Peter, ich wünsche dir eine schnelle Genesung und viel Spaß dabei, die Zeit für die Wissenserweiterung zu nutzen. Du weißt doch, nichts geschieht ohne Grund.

    1. Hallo Tanja,
      wenn es so einfach wäre… :-).
      Ich habe aber tatsächlich gelesen (im Internet, kein Buch), dass man das Krafttraining durch reine Gedankenkraft unterstützen kann. Du stellst dir z.B. vor, wie deine Bauchmuskeln künftig aussehen sollen. Vor dem Einschlafen denkst daran und morgens, wenn du aufwachst, denkst du wieder an deine (zukünftigen) Bauchmuskeln. Das soll angeblich das Muskelwachstum beschleunigen. Ein „bisßchen“ Training und die richtige Ernährung gehören aber auch dazu. Ob das auch ganz ohne Training klappt, weiß ich nicht. Probiere es doch aus und schreibe selbst DAS BUCH :-).
      Vielen Dank für die Genesungswünsche! Und ja, du hast recht. Ich glaube auch, dass nichts ohne Grund geschieht. Bei mir glaube ich, dass meine Regeneration zu kurz kam und ich nun quasi dazu „gezwungen“ werde.

      Viele Grüße
      Peter

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