Ich ernähre mich paläo, vegetarisch, low carb, high carb – ja, wie denn nun?

Das Thema Ernährung ist sehr spannend. Meine Reise in die Tiefen der Ernährungsphysiologie begann vor gut 8 Jahren. Zwischendurch dachte ich, ich weiß über gesunde Ernährung Bescheid. Ich fühlte mich sicher,  mit low carb und der Paläoernährung. Trotzdem beschäftigte ich mich immer weiter mit diesem Thema. Es ist so komplex, das Lernen hört eigentlich nie auf.

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Je mehr ich mich mit den Makro- und Mikronährstoffen, Neurotransmittern, Hormonen, Organen, Nahrungsergänzungsmitteln, Superfood, Säure-Basen-Haushalt und  Wasser beschäftigte, umso mehr erkannte ich, dass ich eigentlich nichts weiß. Zuerst begann ich nach ca. 3 Jahren strenger low carb-Kost wieder etwas mehr Kohlenhydrate (KH) zu essen. Auslöser dafür war die Gefahr einer physiologischen Insulinresistenz, von der ich  das erste Mal auf edubily.de las (es war damals ein anderer Artikel von Chris).  Dann, etwas später, erkannte ich, dass ich  bei dem Sportprogramm, das ich seit Jahren abspulte, mehr „gesunde“ KH brauche als ich dachte. Bestimmte Leistungsparameter / Blutwerte hängen eng mit einer dem Glukosebedarf entsprechenden -aufnahme zusammen.

Ich las von der Eiweißspeicherkrankheit, die Dr. Lothar Wendt schon vor zig Jahren entdeckt hat. Ich las davon, dass selbst ein gesunder Darm (wie viele von uns haben tatsächlich einen gesunden Darm?) maximal 100g Eiweiß am Tag verstoffwechseln kann. Also fragte ich mich, ob ich nicht doch vielleicht mehr Pflanzenkost und weniger tierische Produkte essen sollte. Das täte meinem Säure-Basen-Haushalt gut, auch meinen Gelenken.

Es ist am Ende in vielerlei Hinsicht eine Glaubensfrage. Man kann in seinem Leben nicht alle möglichen Ernährungsformen so ausprobieren, dass man eindeutig sagen kann: die Ernährungsform A ist für mich besser als die Ernährungsform B. Zum einen werden wir jeden Tag älter und zum anderen ist nicht jeder Tag gleich. Die Umstände, unter denen wir tagtäglich essen, sind nur selten gleich. Es nimmt nicht nur die Nahrung Einfluss auf unsere Gesundheit, unsere Laune, unsere Fitness. Die Ursachen sind vielschichtig, es ist multikausal.

Ernährungskonzepte immer sinnvoll? Oder doch ausgewogene Ernährung?

Ich verstehe die Menschen, die sich für eine bestimmte Ernährungsform, sei es vegetarisch, vegan, rohköstlich, paläo etc. entschieden haben und diese Form verteidigen. Es verleiht ihnen ein Sicherheitsgefühl: „ich ernähre mich gesund“. Dieses Gefühl ist schön, nur leider führt das nicht immer zum gewünschten Ergebnis.

Ist die „langweilige“ (langweilig, weil man keiner bestimmten Ernährungsrichtung folgt), ausgewogene Ernährung vielleicht doch am besten? Was bedeutet aber ausgewogene Ernährung?

Meine ausgewogene Ernährung hat sich im Laufe der Jahre immer mehr herauskristallisiert. Sie beinhaltet nicht unbedingt konkrete Lebensmittel, sondern bildet vielmehr einen Rahmen, innerhalb dessen ich mich bewege. Dabei wende ich gern das 80/20-Prinzip an, d.h. ich lasse auch etwas Spielraum für vermeintliche Ernährungssünden. Neben der reinen Biochemie entscheiden auch noch andere Faktoren über die Qualität unserer Mahlzeiten. Einer dieser Faktoren ist zum Beispiel Stress. Je mehr ich mich stresse, zu 100% korrekt zu essen, umso mehr laufe ich Gefahr, genau das Gegenteil zu erreichen; die Polarität lässt grüßen.

Mein Ernährungsrahmen ist einfach:

  • Mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag (ich meine wirklich Wasser)
  • Gemüse und Salate bilden die Grundlage
  • Obst, alles was die jeweilige Jahreszeit hergibt. Nur bei den Bananen mache ich eine Ausnahme, denn sie esse ich regelmäßig; ich liebe Bananen
  • Fermentierte Lebensmittel und Getränke, z.B. Sauerkraut, Brottrunk, Kefir
  • Fleisch, vom regionalen Markt oder -noch besser- direkt vom Bauer oder Schlachter. Fleisch muss -und sollte- nicht jeden Tag auf den Teller
  • Fisch mindestens einmal, besser zweimal in der Woche. Ich bevorzuge Seelachs, Forelle, Makrele und Hering. Ich erachte die Vorteile, die Fisch mit sich bringt, höher als die Nachteile im Zusammenhang mit einer möglichen Belastung mit Schwermetallen. Ich weiß, man kann es auch anders sehen 🙂
  • Eier. Es gibt wenige Tage im Jahr, an denen ich keine Eier esse. Ich esse die Eier weich gekocht, als Rührei oder auch roh (z.B. im Lubrikator)
  • Nüsse in allen Variationen, außer den Erdnüssen. Sie sind bekanntlich keine Nüsse, sondern Hülsenfrüchte. Das Problem bei den Erdnüssen besteht darin, dass sie nicht selten Schimmelpilze (u.a. Aflatoxine) enthalten
  • keine Transfette (Pommes, Chips, Popcorn, Margarine etc.). Hier mache ich so gut wie keine Ausnahmen
  • möglichst keine industriell verarbeiteten Nahrungsmittel
  • wenig Milch und Milchprodukte (meinen Kaffee/ Espresso trinke ich meistens mit Hafer- oder Mandelmilch). An Milchprodukten esse ich eigentlich nur noch den körnigen Frischkäse oder Speisequark
  • wenig Brot, Brötchen und sonstige Getreideprodukte (insbesondere meide ich Weizen). Wenn ich schon Brötchen esse, bevorzuge ich Dinkel- oder Roggenbrötchen, optimalerweise auf Sauerteigbasis.

Darunter subsumiere ich eine gesunde Ernährung. Alles Weitere ist optional.

Fasten…zumindest intermittierend

Mindestens genauso wichtig wie die Frage „was ich esse“, ist für mich die Frage „wie oft ich esse“ und „wie lang meine Pausen zwischen den Mahlzeiten sind“.  Hier  kommen unterschiedliche Fasten-Methoden, die ich regelmäßig anwende, ins Spiel. Ich bin davon überzeugt, dass sich alleine mit dem intermittierenden Fasten viele -vermeintliche- Ernährungssünden kompensieren lassen.

One size fits all?

Dein gesunder Ernährungsrahmen kann davon abweichen. Er hängt von weiteren Faktoren ab wie der genetischen Disposition, etwaigen Krankheiten, dem Sportpensum, sonstiger Bewegung im Alltag, dem Lebensalter etc.. Auch deine bisher gemachten Erfahrungen spielen eine Rolle. Wie voll ist dein „Threat Bucket“? Ein zusätzlicher Stressor in Form ungesunder Ernährung kann bei jemandem, dessen „Threat Bucket“ bis an den Rand gefüllt ist,  diesen zum Überlaufen bringen. Das kann sich zum Beispiel in einer Verletzung oder Krankheit äußern. Ist der „Mülleimer“ hingegen noch fast leer, entfaltet dieser Stressor keine Wirkung.

Die Reise setze ich gerne fort, es gibt noch sehr viel zu entdecken. Neue Studien, auch wenn diese nicht immer aussagekräftig sind, fördern  immer wieder neue Erkenntnisse zutage. Langfristig dürfte sich das Altbewährte, die Ernährungsweise unserer Vorfahren, der Jäger und Sammler, durchsetzen (Heuristik); auch, wenn keiner genau weiß wie sich Jäger und Sammler ernährt haben, und wir heutzutage nicht mehr so leben wie die Steinzeitmenschen damals gelebt haben.

Dein Peter Buchmann

 

Titelfoto: Pixabay.com © „ausgewogene Ernährung“, Bildnachweis nicht erforderlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.