Drei (+ ?) Prinzipien, über die es sich nachzudenken lohnt

Ich bin kein Prinzipienreiter. Vielmehr glaube ich, dass zu viele Prinzipien das Leben unnötig verkomplizieren. Mit Prinzipien meine ich keine Gesetzmäßigkeiten, sondern Regeln, an die man sich halten kann; aber nicht muss. Drei solche Prinzipien beschäftigen mich seit einiger Zeit regelmäßig und ich stelle fest, dass sie sich immer mehr zu meiner Lebensgrundeinstellung entwickeln.

Prinzip Nr. 1 – Via Negativa -oder „weniger ist mehr“-

Über dieses Prinzip habe ich bereits in dem Beitrag „Antifragilität, Hormesis, Superkompensation – mit Heuristiken und Via Negativa das Optimum erreichen„ geschrieben. Ich finde das Via Negativa-Prinzip faszinierend, glaube gleichzeitig, dass es (zu) selten praktiziert wird. In der Regel neigen wir alle zu MEHR anstatt zu WENIGER. Ich propagiere damit nicht zwangsläufig den Minimalismus oder die Askese. Es gibt dennoch Bereiche, in denen die Anwendung dieses Prinzips absolut Sinn macht, zum Beispiel:

Ernährung:

Das Heilfasten ist eine großartige Möglichkeit, sich diverser gesundheitlicher Probleme zu entledigen. Ich lasse etwas weg,  und zwar die Nahrungsmittel, und nehme nicht zusätzlich zum Essen Medikamente ein. Es funktioniert nicht immer, das dürfte klar sein; dennoch funktioniert es öfter als man glaubt.

Medikamente haben oft unerwünschte (Neben)Wirkungen. Diese können schwerwiegender sein als die Krankheit, die man damit ursprünglich behandeln wollte (Iatrogenik).

Sport:

Es gibt unzählige Übungen, die sich zu noch mehr Workouts zusammenstellen lassen. Dennoch gibt es „nur“ ein paar funktionelle Bewegungsmuster, und zwar Drücken, Ziehen (Oberkörper), funktionelles Halten (Rumpf), Beugen und Strecken der Beine (Knie und Hüfte) und natürlich Laufen 😉 . Um den ganzen Körper fit zu halten, reichen einige wenige Übungen aus. Der ganze „Rest“ ist nice to have. Dieses Prinzip wende ich aktuell verstärkt an.

Prinzip Nr. 2 – 20/80 oder 80/20

Das Pareto-Prinzip dürfte dir bekannt sein. Mit 20% Aufwand erreicht man lt. diesem Prinzip 80% des maximal möglichen Ergebnisses. Dieses Prinzip ähnelt dem Via Negativa-Prinzip. Ich denke, dass man mit diesem Prinzip gerade im Sport viel erreichen kann.

Auch das umgekehrte Verhältnis, d.h. 80/20, dürfte in vielen Bereichen des Lebens hilfreich sein. Am einfachsten fallen mir Anwendungsbeispiele dieses Prinzips in der Ernährung ein:

  • Was auch immer gesundes Essen für dich bedeutet, es gibt mit großer Wahrscheinlichkeit Nahrungsmittel, die du für ungesund hältst, auf die du aber nicht verzichten möchtest. Es schaffen die Wenigsten, zu 100% „clean“ zu essen. Nicht selten ist damit ein erhöhter Stresspegel verbunden. Dieser konterkariert die gesunde Ernährung stark. Deshalb plädiere ich für das 80/20-Prinzip. Wenn du es schaffst, dich zu 80% gesund zu ernähren, wirst du mit den restlichen 20% keine Probleme haben; vorausgesetzt dein übriger Lifestyle, also Mindset, Sport, soziales Umfeld, ist stimmig.
  • Über gesunde Ernährung kann man sich vortrefflich streiten. Einig sind sich fast alle darin, dass Gemüse/ Salate wichtig sind. Insbesondere mit Blick auf den Säure-Basen-Haushalt und den hohen Anteil an Balaststoffen schätze ich persönlich die Bedeutung von Gemüse/ Salaten für die Gesundheit als sehr hoch ein. Wenn dein Essen zu 80% aus Gemüse/Salaten besteht, möglichst in Bio-Qualität, fallen die restlichen 20% nicht mehr ins Gewicht.
  • Drei Mahlzeiten am Tag stellen für mich ich in Bezug auf das reine Volumen 100% dar. Ich weiß, dass viele Menschen mit der von mir definierten 100%-Marke nicht auskommen, da sind auch mehr als 100% möglich 😉 . Damit meine ich nicht den 100%-igen gesundheitlichen Benefit. Diesen erreichst du vielmehr, wenn du nur 80% davon isst, d.h. ab und zu (intermittierend) fastest. Rein rechnerisch bedeutet das, ca. vier Mahlzeiten pro Woche zu canceln. Das kann  auch bedeuten, einen ganzen Tag nichts zu essen. Es gibt viele Varianten des IF.

20/80% oder 80/20% gibt nur die Orientierungsgröße an. Es muss auch nicht zwingend durchgehend, d.h. jeden Tag, eingehalten werden. Ich schrieb bereits, dass ich vor einem Wettkampf, z.B. einem Marathon, eher in Richtung 95/05% tendiere. Vor Weihnachten 2017 und zwischen den Tagen lag das Verhältnis zwischen der gesunden und der eher ungesunden Ernährung hingegen eher bei 50/50% 😳 . Wenn Du nach solchen, kurzfristigen „Ausrutschern“ wieder zu den 80/20% zurückkehrst, bleibt alles im Lot.

Prinzip Nr. 3 – Hinterfrage immer das (angeblich) Offensichtliche

„Es ist halt so“, „jeder macht das doch so“, „das ist doch klar“. Ist es das wirklich? Ich hinterfrage mittlerweile immer mehr. Das soll nicht heißen, dass ich grundsätzlich misstrauisch bin. Es gibt viele Mythen, die in den Köpfen der meisten Menschen tief verankert sind. Sie werden nicht hinterfragt, sondern als eine unumstößliche Wahrheit hingenommen. Dabei sagte schon Jakob Johann von Uexküll, dass „die Wissenschaft von heute der Irrtum von morgen ist„. Es ist doch klar, dass (zum Beispiel)

  • Eier viel Cholesterin enthalten und man daher maximal nur drei Eier pro Woche essen darf
  • Fett fett macht
  • Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist
  • das Gehirn morgens Zucker (Glucose) braucht
  • (Kilo)Kalorie gleich (Kilo)Kalorie ist, egal in welchen Lebensmitteln
  • Fluorid in der Zahnpasta wichtig für die Zahngesundheit ist
  • Fasten zwangsläufig Muskeln abbaut und auch für den Herzmuskel gefährlich ist
  • Long Runs in der Marathonvorbereitung unerlässlich sind
  • Laufschuhe gut gedämpft sein müssen
  • Sonne Hautkrebs macht und man sich deshalb vor ihr schützen muss. Zum Glück gibt es Sonnencremes

ODER ??? 😉

Ich denke, diese zehn Beispiele genügen, um das Prinzip zu verdeutlichen.

Darüber hinaus finde ich die folgenden drei Zitate sehr erhellend:

Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom
Albert Einstein

Immer, wenn du dich auf der Seite der Mehrheit wiederfindest, ist es an der Zeit innezuhalten und nachzudenken
Mark Twain

Irrtümer schwimmen wie Stroh auf der Oberfläche. Wer nach Perlen sucht, muss tief tauchen
John Dryden

Prinzip Nr. 4  – ?

Welches Lebensprinzip hältst du für wichtig und warum? Über deinen Kommentar freue ich mich.

Dein Peter Buchmann

 

Foto: Pixabay.com © „think“- Bildnachweis nicht erforderlich

6 Gedanken zu „Drei (+ ?) Prinzipien, über die es sich nachzudenken lohnt“

  1. Macht das, was ich tu, mich glücklich? Und würde ich meinen Tag genau so gestalten, wenn ich wüsste, dass ich in genau 6 Monaten sterben würde? Das führt bei mir zu einer gesunden Selbstreflektion und einem hohen Maß an Zufriedenheit. Ich mache nahezu nichts mehr, worüber ich mich ärgere, weil es nicht hätte sein müssen.

    Viele Grüße
    Torben

    1. Dieses Prinzip ist, glaube ich, vielen bekannt, und trotzdem vergessen wir es nur allzu oft. Dennoch hat es meines Erachtens einen kleinen „Schönheitsfehler“: Wüsste ich, dass ich nur 6 Monate Zeit auf der Erde habe, würde ich alles Mögliche regeln, u.a. dass meine Familie finanziell klar kommt. Dann würde ich viel mehr Zeit mit ihr verbringen. Würde ich es hingegen jetzt so machen, bekäme ich wahrscheinlich erst finanzielle Probleme. Aber das Prinzip an sich ist natürlich verstanden :-); Danke, Torben, für deinen Input.

      Viele Grüße
      Peter

    2. Selbstreflexion ist tatsächlich etwas sehr gutes und kann einen gut voran bringen, doch wie schon von Peter geschrieben wurde, greifen die Menschen nicht darauf und erst sehr spät, wenn man feststelllt das einiges nicht so läuft wie es sollte.

      Dabei kann man durch eine gesunde Selbstreflexion sein Leben sehr positiv beeinflussen und die Idee mit den 6 Monaten ist interessant für die Möglichkeit. Ich persönlich nutze eine Selbstreflexion regelmäßig um einfach mir selber ein Feedback zu geben und zu überprüfen ob alles so läuft wie ich es mir auch vorstelle.

      Beste Grüße,
      Alex von MM

      1. Hallo Alex,

        vielen Dank für deinen Kommentar. Interessant wäre in diesem Kontext die Frage: was passiert, wenn man bei der Selbstreflexion zu dem Ergebnis kommt, dass nicht alles so läuft wie man sich das vorgestellt hat. Versucht man noch mehr Gas zu geben, nach dem Motto „viel hilft viel“ oder versucht man -wie in meinem Beitrag erläutert- mit weniger (wovon auch immer), das gewünschte Resultat zu erreichen. Meine Meinung dazu ist, dass eben oft weniger besser wäre als mehr.

        Viele Grüße
        Peter

  2. Nun ist es so, dass es viele Ansätze, Therapien, Trainingspläne etc, mit ebenso vielen Erfahrungen und Theorien gibt. Meine Meinung: es gibt einige wenige Gesetzmäßigkeiten die man pauschal auf die Menschen im Allgemeinen anwenden kann. Einen großen Teil macht aber unserer Individualität aus. In der Ernährung habe ich einige Dinge ausprobiert, man kann das auch „Experimente“ nennen. Low Carb z.B. ist nichts für mich. Das habe ich ca. drei Monate durchgehalten mit katastrophalen Folgen. Heilfasten geht auch nicht, „intermittierendes Fasten“, ab und zu, ist noch so gerade vertretbar. Ich verliere dabei sehr schnell Gewicht, Leistung, Kraft. Die Laune sinkt, Schwindel etc. Ich möchte hier nicht alles aufzählen. Longs Runs fallen mir schwer, hier eher psychisch, ich laufe lieber schneller und etwas kürzer. Ich bin relativ lang mit 188 cm, habe deshalb andere kleine „Baustellen“ als kurze Läufer. Knie, Achillessehne sind oft Schwachpunkte bei Läufern. Da habe ich bis heute nie Probleme gehabt. Ich spreche gut auf hängende oder mich in die Körperlänge ziehende Übungen an welche aus der Bewegung heraus, also nicht statisch, ausgeführt werden. Die Aufzählung könnte ich fortführen. Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte ist, dass jeder Organismus anders ist, das alles im Fluss ist, Grenzen fließend sind. Alter, Biomechanik, Stoffwechsel, Regenerationsfähigkeit, Umfeld…es gibt so viele Marker aus denen heraus sich ein MEHR oder WENIGER ergibt. Für mich persönlich hat es sich immer bewährt, nach Gefühl zu trainieren, sich nach Vorlieben und Verträglichkeit GESUND zu ernähren (z.B. brauche ich Kohlenhydrate), auf Belastungen durch Beruf und Familie zu reagieren. Dann darf und muss es eben auch mal etwas weniger sein. Es fällt schwer, aber man sollte die individuellen Grenzen seines Körpers nicht nur akzeptieren, sondern auch respektieren. Beobachten , in sich „hineinhorchen“, hier hilft auch ein Tagebuch in dem man seine Befindlichkeiten niederschreibt. Das retrospektiv zu lesen, überrascht mich dann immer wieder mal. So kann nichts verdrängt oder vergessen werden und man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Kontext herstellen. Ich kenne viele Sportler und Menschen, welche sich mit Ernährung intensiv beschäftigen. Wenn man genau hinschaut und aufmerksam zuhört, dann gibt es viel Individuelles welches sich im Kleinen und in einer Menge Einzelheiten wiederspiegelt.

    1. Hallo Dieter,

      es gibt nicht DIE Ernährungsform, DEN Trainingsplan, DIE Entspannungstechnik etc. für alle. Da bin ich bei dir. Trotzdem steht für mich fest, dass eine ausgewogene Ernährung (darunter versteht u.a. jeder etwas Anderes; ICH ganz grob: möglichst wenige stark verarbeitete Nahrungsmittel, viel Gemüse und Salate, moderat Obst, Fleisch und Fisch sowie Eier), regelmäßige Bewegung (es muss kein Marathon sein) und Stressabbau essentiell sind, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Die von mir erwähnten Prinzipien können dann jeweils in dem individuellen Rahmen angewandt werden.

      Interessant, dass dir das Fasten so schwer fällt :-). Vielleicht bist du bisher noch nie so richtig in dem Fastenstoffwechsel/ Ketose gewesen. Ja, das Gewicht schwindet dabei natürlich etwas, aber man baut relativ schnell wieder auf. Beim Heilfasten stehen für mich die gesundheitlichen Aspekte (insb. Entgiftung/ Entschlackung) im Vordergrund. Dazu schreibe ich übrigens kurzfristig einnen Beitrag.

      Ja, ein Tagebuch ist schon ganz nützlich. Ich bin alerdings gerade in einer Phase, in der ich viel weniger zu Papier bringe als in den letzten ein paar Jahren. Noch fühlt es sich ganz gut an :-).

      Viele Grüße
      Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.