Den Weg als das Ziel erkennen

Als ich Anfang des Jahres überlegte, ob ich wieder einen der Frühjahrsmarathons laufen soll, fühlte ich mich alles andere als fit. Ein 3 wöchiges Experiment mit Borax , das sich im Nachhinein als erfolgreich herausstellte, bewirkte zunächst eine spürbare Verschlechterung meines Fitnesslevels.  Ende Januar ging es mir wieder deutlich besser. Ich bin wieder dabei, beschloss ich. Bis zum Hamburg-Marathon waren es da allerdings nur noch 11 Wochen, eine Woche fehlte. Die Entscheidung fiel zugunsten des eine Woche später stattfindenden Hannover-Marathons.

Seit einigen Wochen greift das Corona-Virus um sich. Nicht wirklich das Virus, sondern viel mehr das, was daraus aktuell gemacht wird. Da das kein Thema für diese Homepage sein soll, gehe ich nicht weiter darauf ein. Jeder darf und sollte sich hierzu seine eigene Meinung bilden.

Wie so viele Großveranstaltungen wurde mittlerweile auch der Hannover-Marathon abgesagt. Wie gehe ich damit um? Früher, insbesondere im Jahr 2013, als ich meine bisherige Marathon-Bestzeit lief, wäre für mich die Welt zusammengebrochen, wenn das Rennen nicht stattgefunden hätte oder ich aus welchen Gründen auch immer hätte nicht antreten können. Damals war nur das Ziel, das Ergebnis, wichtig, sonst nichts. Heute sehe ich das anders.

Der Weg ist das Ziel

Ich erkannte für mich, nicht zuletzt auch Dank der Corona-Krise, dass der Weg das Ziel ist. Der Marathon-Lauf an sich ist nur ein Bruchteil des gesamten Weges. Es ist nur ein Tag, es sind nur einige wenige Stunden. Diesen wenigen Stunden gehen 12 Wochen „harter Arbeit“ voraus. Was passiert hier?

Es findet ein progressiv gestaltetes, strukturiertes Training statt. Diesmal sind es 7 Trainingseinheiten in der Woche, die mich aus meiner Comfort-Zone  heraus zwingen. Normalerweise fühle ich mich mit 4 bis 5 Trainingseinheiten pro Woche wohl. Diese 12 Wochen zeigen mir, dass ich noch leidensfähig und -willig bin. Nein, ich bin kein Masochist, es ist eine Leidensfähigkeit, die sich gut anfühlt, die mich insgesamt leistungsfähiger, fitter macht. Die mir zusätzliche „Körner“ für die kommenden Monate verleiht. Körner, die ich vielleicht gut gebrauchen kann, falls zum Beispiel wider Erwarten ein gefährliches Virus ausbricht 😎 .

Ich ziehe das Training durch,…

…zumindest solange ich gesund bleibe und kein Ausgehverbot verhängt wird. Das hat nichts mit Trotzreaktion zu tun. Ich weigere mich, mich von solchen äußeren Ereignissen abhängig zu machen. Es tangiert mich nicht und auch nicht mein Training -solange ich das Haus, ohne Repressalien befürchten zu müssen, verlassen darf-. Ich laufe nur noch alleine und mache mein Krafttraining im Home-Gym. Noch nie war ein Home-Gym so wertvoll wie heutzutage.

Ketogene Ernährung und meine alternative Marathonvorbereitung?

„Nebenbei“ teste ich im Rahmen dieser Vorbereitung wie bzw. ob sich eine ketogene Ernährung  und meine alternative Marathonvorbereitung vertragen. Die ersten 4 Wochen ließen  keine endgültigen Schlüsse zu. Es fühlte sich jedoch nicht so gut, nicht wie erhofft, an. Seit der 5 Vorbereitungswoche ernähre ich mich wieder low (bis moderate) carb. Vermutlich bleibe ich die nächsten 3 Wochen dabei. Mehr dazu ggf. später, in einem separaten Beitrag.

Travelauf 2020? Frühjahrsmarathon 2020?

Für den 29.03.2020 war der Travelauf geplant. Ich wollte hier den Halbmarathon laufen, als Test vor dem Hannover-Marathon. Auch diese Laufveranstaltung fiel Corona zum Opfer. Was habe ich am 29.03.2020, kurz vor 10 Uhr gemacht? Ich bin im Schneeregen, bei 2 Grad Celsius meinen eigenen „Corona-Travelauf-HM“ gelaufen. Mit einer Zeit von 1:35 h bin ich AK 50-Sieger, Gesamtsieger… geworden. Es gab keine Urkunde, keine offizielle Zeitmessung, keine Zuschauer, die beim Zieleinlauf Beifall klatschten. Trotzdem fühlte ich mich herrlich als ich durch die imaginäre Ziellinie lief.

Folgerichtig werde ich am 26.04.2020 meinen „Corona-Marathon“ laufen, nur ich , ganz alleine. Es wird wieder keine offizielle Zeit und auch keine Urkunde geben. Trotzdem werde ich mich danach, sofern ich gesund finishe, wieder herrlich fühlen, genauso wie letzten Sonntag. Es wird mein 18 Marathon.

Das Ziel, das Finishen, macht dich nicht glücklich(er)

Ich vergleiche das Finishen eines Marathons mit dem Erklimmen eines Gipfels. Die mehrwöchige spezielle Vorbereitung darauf (bei mir sind es in der Regel 12 Wochen) ist quasi der Aufstieg. Handelt es sich dabei um eine neue Bestzeit, war es  für dich der bisher höchste Gipfel. Diesen Gipfel erklommen zu haben, so meine Erfahrung, macht dich langfristig nicht glücklich(er). Es verschafft dir zwar  für den Augenblick ein Gefühl der Erleichterung, eine Bestätigung. Du hast es geschafft, yeah.  Dieses Gefühl verblasst jedoch schnell. Der tatsächliche Mehrwert, das, wovon du langfristig profitierst, war nicht der Gipfel, es war der Aufstieg 💡 .

Inspiration zu diesem Beitrag

Vor gut 3 Wochen erreichte mich eine E-Mail eines Läufers. Der Marathon, auf den er sich gerade vorbereitet, findet nicht statt. Vielleicht kann er 1 oder 2 Wochen später einen anderen Marathon laufen. Daher fragte er mich, ob bzw. wie er seinen Trainingsplan strecken kann. Er schrieb mir sinngemäß, er wolle nicht, dass die letzten X Wochen der Vorbereitung umsonst waren.

Hallo! Diese X Wochen waren nicht umsonst! Der Läufer hat etwas für sich, für seine Gesundheit getan. Das nimmt ihm keiner mehr weg. Er hat auf sein Gesundheitskonto viel eingezahlt. Ist das nichts? Wir haben wieder miteinander geschrieben. Zum Glück sieht er das genauso, ich habe es etwas missverstanden (trotzdem besten Dank für diese Inspiration 😉 ).

Ich wünsche auch dir, es möge dir gelingen, einen Perspektivenwechsel hinzubekommen. Mir ist bewusst, dass eine solche Perspektive umso leichter anzunehmen ist, je höher dein bisheriger Gipfel war.  Versuche es trotzdem. Du bekommst augenblicklich einen ganz anderen Blick auf dein Training, auf den Sport, auf die Bewegung an sich. Du bist auf einmal für jede Einheit, die du absolviert hast, dankbar. Du sagst dir ab diesem Moment nicht mehr „heute MUSS ich X km im Tempo Y laufen“. Ab dann heißt es nur noch „heute DARF und KANN ich X km im Tempo Y laufen“. Und der Weg erscheint dir plötzlich viel leichter; der Weg als das eigentliche Ziel 💡 .

Dein Peter Buchmann

 

Titelfoto: Pixabay.com © „Weg als Ziel“, Bildnachweis nicht erforderlich

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