Bücher-Adventskalender 2017, 17. Türchen, gesund, fit und schlank – ein leben lang

GESUND, FIT UND SCHLANK – ein Leben lang von Wilfried Dubbels,
Taschenbuch 2017, Verlag: Independently published (287 Seiten), ISBN 978-1549835179

Kategorie: Ernährung

Wilfried Dubbels „lernte ich kennen“ in der „Facebook-Gruppe Dr. Strunz“. Er liefert dort immer wieder interessante Beiträge und scheute es auch nicht, sich auf einen Disput mit Chris (Edubily.de) einzulassen; und das zumindest auf Augenhöhe. Als ich sah, dass Wilfried ein neues Buch herausbringt, fragte ich ihn, ob er es mir kostenlos zur Verfügung stellen würde. Er war sofort damit einverstanden und schickte mir noch quasi die Rohfassung zu 😛 . Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Wilfried Dubbels, Jahrgang 1950, ist ein ehemaliger Wettkampfbodybuilder; das sieht man ihm heute noch an. Als studierter Chemiker leitete er bis 2005 eine Apotheke. Den Themen Gesundheit und Sport widmete er sich schon früher als freier Journalist. Wilfried deckt somit Theorie und Praxis ab, das spricht für seine Fachkompetenz.

Das Buch liest sich flüssig. Es ist verständlich geschrieben, auch für Laien auf diesem Gebiet. In sechs Kapiteln werden die relevanten Punkte abgehandelt, die erforderlich sind, um das im Buchtitel enthaltene Ziel zu erreichen: Gesundheit und Fitness (das Schlanksein ist eine daraus resutierende Begleiterscheinung), und zwar ein Leben lang.

Warum altert der Mensch, welche Theorien gibt es dazu? Darauf geht Wilfried im ersten Kapitel ein. Seine Ausführungen sind nicht unbedingt sehr tiefgreifend. Das müssen sie aber auch nicht sein, um die Grundlagen, die Zusammenhänge zu verstehen. Dafür sind die gelieferten Informationen durchaus ausreichend. Zur „Freie Radikaletheorie“ schreibt er unter anderem:

Um den Prozess des Alterns zu verlangsamen, sollte man nicht versuchen, mit hohen Dosen von Antioxidanzien in das Gleichgewicht der Radikale durch vollständige Neutralisierung einzugreifen.

Diesen Aspekt kennen viele noch nicht, er ist noch relativ neu. Auch wenn dieses Prinzip nicht explizit Hormesis genannt wird, ist es ganu das. Eine weitere Theorie zum Altern, die „Telomertheorie“, ist ebenfalls noch relativ neu. Mir zeigt bereits diese Auswahl an Themen, dass Wilfried auf der Höhe der aktuellen Forschung ist. Dieser Eindruck wird im weiteren Verlauf des Buches immer wieder bestätigt.

Im dritten Kapitel, das aus meiner Sicht den Hauptteil des Buches darstellt, liefert Wilfried konkrete Vorschläge zum natürlichen Anti-Aging. Es dreht sich alles um -wie könnte es anders sein- Ernährung und Sport. Ich finde seine Tipps/ Vorschläge, die sich im Wesentlichen an Personen ab 40 Jahren richten, im Großen und Ganzen gut und konnte für mich hinter den meisten von ihnen einen Haken machen.

So empfiehlt Wilfreid in Bezug auf die Kohlenhydrate hauptsächlich Gemüse, am besten gedünstet. Auch Obst hält er für eine gute KH-Quelle. Hier gehe ich mit Wilfried d´áccord. Je nach Einnahmezeitpunkt gibt es dennoch unterschiedliche Empfehlungen. Hochglykämische KH sollten demnach, wenn überhaupt, nur morgens und nach dem Sport gegessen werden. Abends eignen sich eher ballaststoffhaltige KH mit niedriger glykämischer Last. Dies wird mit nachlassender Aktivität und damit verringerter Stoffwechselleistung am Abend begründet. Dazu passend ist auch Wilfrieds Empfehlung hinsichtlich des Frühstücks, das er -neben der Mahlzeit nach intensivem Training- für die wichtigste Mahlzeit des Tages hält. Wilfried subsumiert das wie folgt:

Mahlzeiten zu timen, um mehr Kalorien zu Beginn des Tages zu konsumieren, hat eine kraftvolle Wirkung auf die Körperzusammensetzung. Lassen Sie sich nicht durch anderslautende Empfehlungen verunsichern.

Ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle hin- und hergerissen war, ja, ich könnte sagen verunsichert. Dazu ein kurzer Exkurs:

Ich denke, dass es letztendlich auf die Kalorienmenge ankommt, (fast) egal wann ich diese zu mir nehme. Ich behaupte damit nicht, dass die Qualität dieser Kalorien egal ist! Ganz im Gegenteil. Aber abends, nicht unbedingt am späten Abend, wenn die Aktivitäten nachlassen -und damit hoffentlich auch das Stressniveau sinkt- wird der Parasympathikus aktiver. Dann ist es Zeit für gutes, gesundes Essen und auch KH finden dort ihren Platz. Morgens, wenn der Cortisolspiegel noch hoch ist und das sympathische System dominiert, ist die Insulinsensitivität etwas schlechter. Der Körper ist noch mit Reinigungsarbeiten beschäftigt (Stichwort „Autophagie“). Das ist auch einer der Gründe für das intermittierende Fasten (IF).  Das gehört für mich auch zum Anti-Aging. Wer allerdings nur darauf bedacht ist, maximale Muskelmasse aufzubauen, wird womöglich um ein regelmäßiges Frühstück nicht herumkommen.

Ich glaube, die Wahrheit dürfte -wie so oft- irgendwo in der Mitte liegen, also einem Wechsel zwischen dem intermittierenden Fasten und dem Frühstück; zyklisch, nicht eine bestimmte Intervention (z.B. IF) chronisch. Das dürfte unserer Evolution, dem Leben unserer Vorfahren (Stichwort „Jäger & Sammler“) am ehesten entsprechen. Dies zumindest bei stoffwechselgesunden Menschen. Wenn der Kohlenhydratstoffwechsel nicht mehr so gut funktioniert, mag ein Frühstück und ein KH-Verzicht am Abend die bessere Alternative sein.

Übrigens, wenn ich frühstücke, dann so gut wie nie vor 9:00 Uhr, eher gegen 10:00 Uhr oder noch später. Am frühen Morgen -ich stehe fast immer zwischen 6:00 und 6:30 Uhr auf- habe ich so gut wie nie Hunger, warum sollte ich dann essen?

Ein ganzes Kapitel ist auch den Nahrungsergänzungsmitteln gewidmet. Man erkennt schnell, dass Wilfried sich gut in dieser Materie auskennt. Ich finde seine diesbezüglichen Empfehlungen gut recherchiert und ausgewogen.

Was fand ich an diesem Buch besonders interessant?

Wilfried betont immer wieder die Wichtigkeit von Gemüse und Obst als Basenspender. Das Problem mit der Übersäuerung ist, glaube ich, größer als die meisten heutzutage glauben. Ich selbst durfte im Zusammenhang mit dem Heilfasten feststellen, dass ich trotz (in meinen Augen) gesunder Ernährung fast chronisch übersäuert war.

Richtig gut finde ich Wilfrieds Empfehlung hinsichtlich der sportlichen Aktivitäten:

Kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining ist zwar am effektivsten, aber eine gute Muskelentwicklung allein wirkt auch ohne Kreislauftraining lebensverlängernd!
Wilfried Dubbels

Gesund, fit und schlank – ein Leben lang: Sport / Ernährung / Anti-Aging, Wilfried Dubbels, Taschenbuch 2017, Verlag: Independently published (287 Seiten), ISBN 978-1549835179, Preis: 23,55 €.

Dein Peter Buchmann

 

Foto: Amazon, “17_Gesund, fit und schlank – ein Leben lang“

5 Gedanken zu „Bücher-Adventskalender 2017, 17. Türchen, gesund, fit und schlank – ein leben lang“

  1. Hallo Peter Buchmann, Hast du mal darüber nachgedacht: darf man nach deiner Theorie nach dem Training (dann ist der Cortisolspiegel ja auch erhöht) Kohlenhydrate und Proteine zu sich nehmen? Und überhaupt: Nach deiner Theorie wäre die Nacht optimal, reichlich zu essen (Parasymphaticus überwiegt)! Ich halte mich lieber an die Basics.

    1. Hallo Gunnar,
      danke dir für dein feedback und eine gute/ berechtigte Frage. Ja, ich halte einen EW-Shake, z.B. mit einer Banane, direkt nach dem Training für nicht zwingend erforderlich bzw. als nicht die beste Option. Genau aus dem Grund, dass der Cortisolspiegel danach -in der Regel- erhöt ist.Die Open-Window-Theorie, was die Eiweißaufnahme unmittelbar nach dem Training angeht, wurde meines Wissens mittlerweile widerlegt. Deshalb kann man durchaus eine halbe bis zwei Stunden warten, bis man etwas isst/ trinkt.
      Nachts zu essen, ist natürlich nicht das was ich meine. Ich schreibe ja in der Buchrezension: „Aber abends, nicht unbedingt am späten Abend“. Nachts soll sich der Körper regenerieren und nicht zwingend mit der Verdauungsarbeit beschäftigt sein. Ich plädiere aber auch für Zyklen, d.h. dass Dinner-Cancelling (Verzicht auf das Abendessen) auch durchaus positive Aspekte hat (z.B. verstärkte HGH-Ausschüttung).
      Du schreibst, du hälst dich lieber an die Basics. Ich weiß zwar was du damit meinst (Frühstück, KH eher früher am Tag als abends etc.), frage mich trotzdem, ob das tatsächlich in Anbetracht anderer Studien als die, die Wilfried in seinem -übrigens tollen- Buch aufführt, wirklich noch Basics sind. Aber die Diskussion darüber im Rahmen des Kommentars wäre, glaube ich, etwas schwierig.
      Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass es dir, egal an welche Basics du dich hältst, gesundheitlich gut geht :-).
      Viele Grüße
      Peter

  2. Sie sind wieder Basics. Auch der Focus hat kürzlich recherchiert und eine Metastudie, die 10 weitere Studien auswertete, veröffentlicht. Das Resultat:

    Menschen, die abends mehr essen als morgens, haben eher einen höheren BMI.
    Essen zwischen den Mahlzeiten steht in Zusammenhang mit einem höheren Körperfettanteil.
    Menschen, die das Frühstück ausfallen lassen und dafür im Lauf des Tages mehr essen, neigen zu einem höheren BMI.

    https://www.focus.de/gesundheit/videos/das-ist-dran-am-sprichwort-morgens-wie-ein-kaiser-abends-wie-ein-bettler-essen-ist-das-wirklich-gesund_id_5677412.html

    1. Das mag sein, dass es da eine Korrelation gibt aber definitiv keine Kausalität. Sonst müsste ich auch einen höheren BMI etc. haben. Solche Berichte wie der, den du hier verlinkt hast, sind für mich nicht wirklich aussagekräftig, zumal es im letzten Satz auch noch heißt (sinngemäß), dass noch weitere Untersuchungen erforderlich seien, um diese These zu bestätigen.

      Viele Grüße
      Peter

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