Beweglichkeit – vier Ebenen der Bewegungskompetenz

Nach dem Innenmeniskusriss in meinem linken Knie habe ich mich wieder etwas mehr mit der Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht, LNB, beschäftigt. Ich las unter anderem zum zweiten Mal das Buch „FaYo – Das Faszien-Yoga“ durch. Interessant fand ich diesmal unter anderem die Abstufungen der jeweiligen Bewegungskompetenzen.

Dr. med. Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht („Liebscher & Bracht“) unterscheiden vier verschiedene Stufen in Bezug auf die Bewegung/ Körperwahrnehmung, auf denen sich die Menschen befinden können:

  1. Unbewusste Inkompetenz
  2. Bewusste Inkompetenz
  3. Bewusste Kompetenz
  4. Unbewusste Kompetenz

Die nachfolgenden Ausführungen spiegeln nicht bzw. nicht zwangsläufig die Sichtweise von Liebscher-Bracht wider. Es ist vielmehr meine Sichtweise der Dinge, meine Interpretation.

Stuffe 1. – Unbewusste Inkompetenz

Die meisten Menschen befinden sich auf Stufe 1., das heißt, im Zustand der unbewussten Inkompetenz. Sie machen sich über die Bewegung an sich wenig bis gar keine Gedanken. Gewohnheiten und das Mainstream bestimmen ihren Alltag bis sie irgendwann, früher oder später, unweigerlich mit Schmerzen, Verletzungen oder Krankheiten konfrontiert werden.

Stufe 2. – Bewusste Inkompetenz

Diejenigen, die dann (besser wäre natürlich vorher) Eigenverantwortung übernehmen und sich mit dem Thema Bewegung, Beweglichkeit beschäftigen, gehen langsam aber sicher in den Zustand der bewussten Inkompetenz über. Sie wissen, dass sie an ihren Lebensgewohnheiten etwas ändern, sie sich unter anderem mehr und/oder anders bewegen müssten, um wieder schmerzfrei und gesund zu werden oder zu bleiben. Sie wissen aber noch nicht genau wie das am besten funktioniert.  Auf dieser Stufe kann man ziemlich viel Zeit verbringen, ohne spürbare Verbesserungen zu erzielen.  Das Risiko, zu früh aufzugeben, ist hier relativ hoch. Wer jedoch die Wichtigkeit von Bewegung und Beweglichkeit erkannt hat, bleibt dran und strebt die Stufe 3. an.

Stufe 3. – Bewusste Kompetenz

Der Übergang auf Stufe 3. ist ein großer Schritt in Richtung Schmerzfreiheit, Fitness, Gesundheit. Die bewusste Kompetenz zeichnet sich dadurch aus, dass man nicht nur weiß, dass Bewegung und gute Beweglichkeit wichtig ist, sondern man auch weiß, wie, mit Hilfe welcher Tools dies erreicht werden kann. Die Bewegungen werden auf dieser Stufe geschmeidig, „richtig“ ausgeführt, solange man sich darauf konzentriert, also den Fokus auf die Bewegungen legt. Sobald die Gedanken abschweifen, kann die Bewegungsqualität spürbar nachlassen, das Verletzungsrisiko steigt.  Auch im Zustand der bewussten Kompetenz kann viel Zeit ins Land gehen, bis sich spürbare Verbesserungen in bestimmten Strukturen ergeben. Die Anpassungszeit der verschiedenen Gewebe ist teilweise ziemlich lang. Je nach Ausgangszustand und Gewebeart kann es ein halbes bis zwei Jahre dauern bis sich spürbare Veränderungen dauerhaft eingestellt haben.

Stufe 4. – Unbewusste Kompetenz

Wer die 4. Stufe erreicht hat, ist, von Unfällen einmal abgesehen, ziemlich immun gegen Schmerzen und Verletzungen. Die unbewusste Kompetenz zeichnet sich dadurch aus, dass die Bewegungen sicher ausgeführt werden, ohne sich darauf konzentrieren zu müssen. Man bewegt sich geschmeidig in allen möglichen Varianten und Gelenkwinkeln, in einem meditativen Zustand, mit den Gedanken im hier und jetzt; man ist im Flo. Dieser Zustand bedingt ein hohes Maß an Beweglichkeit, Bewegungsspielraum in allen Gelenken und geschmeidige Faszien, Muskeln, Sehnen und Bänder. Ein gutes Beispiel für die Stufe 4. (es ist eher schon 4 + 😛 ) ist Ido Portal.

Ich schätze meine eigene Bewegungskompetenz…

…zwischen den Stufen 2. und 3. ein, näher an der 3.   Mein Zustand der bewussten Inkompetenz hat ziemlich lange gedauert, vielleicht etwas zu lange 🙁 . Dies ist der Tatsache geschuldet, dass ich in vielen Dingen, so auch beim Thema Beweglichkeit, autodidaktisch vorgehe. Die Hilfe von guten Beweglichkeitscoaches hätte mich sehr wahrscheinlich schon früher auf die Stufe 3. gebracht. Andererseits ist das Angebot an Mobility-/ Beweglichkeitstraining ziemlich groß und die Sichtweise der vielen Experten ist zum Teil sehr unterschiedlich. Wem soll man da glauben? Deshalb ging ich oft nach dem Prinzip „trial and error“ vor und holte nur selten und zudem recht spät (erst im Jahr 2016) den Rat guter Mobility-Trainer ein; das kostet Zeit.

Ich möchte mittelfristig meine Bewegungskompetenz auf der Stuffe  3.  festigen und weiter ausbauen. Das erfordert noch einiges an Beweglichkeitsarbeit. Da diese ohnehin fester Bestandteil meines Lebens ist, sehe ich es als eine Chance, eine Herausforderung an und freue mich darauf; Denn: Der Weg ist auch hier das Ziel 😉 .

Langfristig gelingt es mir vielleicht, sogar die vierte Stufe -im Rahmen meiner genetischen Möglichkeiten- zu erklimmen; ich habe Zeit.

Wie schätzt du deine Bewegungskompetenz ein. Über deinen Kommentar freue ich mich.

 

Dein Peter Buchmann

 

Fotos: Pixabay.com © “diverse Bilder“ – Bildnachweise nicht erforderlich

2 Gedanken zu „Beweglichkeit – vier Ebenen der Bewegungskompetenz“

    1. Danke Dir, Andreas, für deine aufmunternden Worte. Aufmunternd deshalb, weil ich vor genau 16 Tagen am linken Knie operiert wurde. Dazu werde ich noch den Artikel über meinen Innenmeniskusriss updaten. Jetzt gilt es, behutsam aufzubauen, sich dafür Zeit zu nehmen und, genau: dran zu bleiben 🙂

      Viele Grüße
      Peter

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