Barfußschuhe -der Test-

In meinem Beitrag „Barfuß Laufen -die Vorgeschichte-“ habe ich bereits angekündigt, dass ich wieder mit dem Barfußlauf beginnen möchte. Wie kam ich aber dazu?

Vor dem Halbmarathon, den ich im März dieses Jahres im Rahmen meiner Vorbereitung auf den Hannover-Marathon gelaufen bin, unterhielt ich mich mit Andreas, einem Lauffreund und Trainer-Kollegen. Wir haben uns „geeinigt“, dass wir beide unter 1:30 h laufen wollten. Die ersten 4 Kilometer konnte ich noch mithalten, dann musste ich Andreas ziehen lassen. Nach gut 1:30 h war ich im Ziel. Andreas war auch schon da; seine Zeit 1:22 h und das mit nur sehr wenig Training (seine Bestzeit liegt bei 1:13 h). Er grinste mich an und sagte nur „es lief einfach so gut“. Lag das vielleicht an seinen neuen Barfußschuhen, den Sole Runnern? Nächstes Jahr will Andreas mit den Barfußschuhen den Marathon unter 3 h laufen.

Das war der Moment, an dem das Thema Barfußlaufen wieder in meinen Fokus rückte. Da entstand in mir auch die Idee, ein Paar Barfußschuhe zu testen und darüber zu schreiben.  Ich schrieb zwei Hersteller von Barfußschuhen, Sole Runner und Vivobarefoot, an. Beide stellten mir jeweils ein Paar Barfußschuhe kostenlos zur Verfügung; Vielen Dank dafür.

In dem nachfolgenden Video stelle ich dir diese Schuhe  vor, anschließend kommt der Praxistest und zum Schluß mein Fazit:

Entschuldige bitte das schnelle, teilweis undeutliche Sprechen beim Praxistest. Ich musste mich etwas beeilen, damit das Training einigermaßen normal vonstattengehen konnte 😉 .

Ich nutze seit ein paar Wochen die Gassirunden mit unserem Hund dazu, barfuß zu gehen. Am meisten Spaß macht es morgens, wenn der Rasen noch naß und kalt ist. Teilweise gehe ich auf Schotterwegen, das ist noch etwas schmerzhaft  😥 . Es braucht seine Zeit, bis sich die Füße an das Barfußgehen auf unterschiedlichen Böden  gewöhnt haben (ich freue mich schon auf die Hornhaut, die sich hoffentlich peu á peu an meinen Fußsohlen bilden wird).

Genauso brauchen die passiven Strukturen Zeit bis sie sich an das Laufen in den Barfußschuhen gewöhnt haben. Je nach dem Ausgangszustand kann das Monate bis Jahre dauern. Unsere Füße sind durch das ständige Tragen von -meist zu engen- Schuhen verweichlicht und immobil. Die Achillessehnen und Wadenmuskeln sind durch die in fast allen Schuhen vorhandene Sprengung oft verkürzt. Ein Umstieg auf Barfußschuhe will deshalb gut vorbereitet sein.

Falls auch du dich mit der Idee trägst, mit dem Barfußlaufen zu beginnen oder von deinen normal gedämpften Laufschuhen auf „natural running-Schuhe“ umzusteigen, plane unbedingt genügend Zeit dafür ein. Kümmere dich unbedingt um deine Füße. Zwei Beispiele für eine Fußmobilisation findest du hier. Viele weitere Übungen findest du zum Beispiel in dem Buch „Gut zu Fuß ein Leben lang“ von Dr. Christian Larsen.

Barfuß gehen ist gesund. Zu diesem Thema gibt es im Internet genügend Material, da muss ich nicht auch noch meinen Senf dazugeben. Auch das Laufen in Barfußschuhen (ganz barfuß klappt bei mir höchstens nur beim Auslaufen nach dem Training) kann zur Fußgesundheit und einer verbesserten, gesünderen Körperhaltung beitragen. Ob es Sinn macht, nur noch in den Barfußschuhen zu rennen, musst du dir selbst beantworten. Gehst du ein- bis zweimal pro Woche jeweils eine halbe Stunde laufen, wirst du das Laufen in  den Barfußschuhen sehr wahrscheinlich gut vertragen. Läufst du mehr, auch längere Strecken,  wird dir ein regelmäßiger Wechsel zu etwas weicheren Schuhen, gegebenenfalls „natural running-Schuhen“,  gut tun. Ich glaube schon, dass die Zeitanteile, die in den Barfußschuhen gelaufen werden, immer mehr ausgeweitet werden können. Mehr als 30 km in der Woche würde ich persönlich aber nicht barfuß laufen.

Wie sieht es bei dir aus? Bist du vielleicht schon länger nur noch barfuß bzw. in Barfußschuhen unterwegs? Welche Strecken legst du barfuß zurück? Hast du eventuell schon Erfahrungen mit den hier vorgestellten Barfußschuhen? Kannst du vielleicht andere Barfußschuhe empfehlen? Über deinen Kommentar freue ich mich.

Dein Peter Buchmann

 

Foto: Buchmann privat, “Barfußschuhe_Test“

11 Gedanken zu „Barfußschuhe -der Test-“

  1. Hallo ich bin seit ungefähr 6 Monaten in Barfußschuhen unterwegs. Angefangen habe ich mit den vibram fivefingers und jetzt bin ich bei den vivobearfoods angelangt. Bei den Vibram hatte auf den Strecken Schwierigkeiten mit dem Untergrund da ich hauptsächlich Wald und Wiesenwege laufe und es da teilweise fiese geschotterte Stellen gab bei denen ich Probleme hatte. Mit den bearfoods war das kein Problem.
    Die Strecken die ich in Barfußschuhen zurücklege haben angefangen bei einmal wöchentlich 4 km bis jetzt dreimal wöchentlich 10 bis 16 km und pro Woche maximal 35 km.
    Die oft gesagte Hornhaut an den Füßen hat sich bei mir nur zum Teil eingestellt ich habe momentan mit Blasen zu kämpfen.

    1. Hallo Diego,
      vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Interessant, dass Du mit den Vivobarefoots keine Probleme im Wald etc. hast und in den Five Fingers welche hattest. Beide Sohlen sind gleich dick, nämlich 3 mm. Ich nehme an, dass dir die max. 35 km p.W. nichts mehr ausmachen, d.h. Du hast dich langsam aber sicher an diese Strecke herangearbeitet; toll! Die Hornhaut bekommt man eher, wenn man viel komplett barfuß geht. In den Schuhen fehlt der direkte Kontakt zwischen der Fußsohle und dem Boden. Trägst Du Socken beim Laufen in den Barfußschuhen? Die Hersteller empfehlen das zumindest. Ich kann mir vorstellen, dass Du damit dein Problem mit den Blasen in den Griff bekommst.
      Viele Grüße
      Peter

  2. Ich habe vor 2 Jahren im Alltag komplett auf Barfussschuhe umgestellt (ich trage am liebsten die von Leguano oder die Virbams). Ganz barfuss geht bei mir beruflich nicht. Meine Fussfehlstellungen (Spreiz-/Senkfuss und Hyperpronation beim Laufen) sind nachweislich (aerztl. Untersuchung inkl Laufbandanalyse) verschwunden, meine Fuesse sind viel breiter als frueher, meine Zehen superbeweglich und meine ganze Haltung insgesamt besser.

    Beim Training trage ich ausschliesslich Laufschuhe, allerdings mit k(l)einer Sprengung und wenig Daempfung, also moeglichst natural. Ich habe viel zu oft mitbekommen, dass Leute sich beim Barfussjoggen eine Plantarfasziitis oder Achillessehnenbeschwerden zugezogen haben. Ausserdem laufe ich viel Schotter und steinig bergab, das ist in Barfussschuhen, selbst wenn man dran gewoehnt ist, nicht so komfortabel.

    Ich wuerde also meine Barfussschuhe fuer nichts auf der Welt mehr hergeben (ich laufe selbst grosse Wandertouren in den Alpen damit), aber zum Laufen bleibe ich (vorerst?! 😉 ) bei Laufschuhen.

  3. Grad nochmal durchgelesen und festgestellt, dass ich mal wieder Opfer meines Dialekts wurde 😉 : bei uns Schwaben ist Laufen naemlich gleich Gehen UND Joggen, daher nochmal ganz klar:

    Franziska B. –> GEHEN/WANDERN = barfuss, JOGGEN = (natural) running shoe

    1. Hi Franziska,
      ich habe dich schon verstanden; trotz deines „schwäbischen Dialektes“ 🙂 .
      Vielen Dank für deine Kommentare / deinen Erfahrungsbericht. Ich kann dich ganz gut verstehen, was das Laufen (Joggen 🙂 ) in Barfußschuhen angeht. Mit Plantarfasziitis und Achillessehnenproblemen kenne ich mich aus. Vielleicht hast du auch schon meine Erfahrungsberichte dazu gelesen? Deshalb will ich das Ganze behutsam angehen und nicht gleich von Null auf Hundert durchstarten. Sollte ich allerdings das Gefühl haben, dass mir das nicht gut tut, verkürze ich die Laufstrecke oder höre komplett mit dem Barfußjoggen auf. Ich bin aber guter Dinge, dass es nicht passiert.

      Was ich zur Zeit am meisten genieße ist das echte Barfußgehen. Ich gehe jeden Morgen mit unserem Hund raus, barfuß. Es wirkt auf mich irgendwie belebend und macht einfach gute Laune. Ich denke, man kann (ja, sollte sogar) seine Füße regelmäßig mobilisieren und kräftigen oder aber stattdessen barfußgehen. Das ist das perfekte Fußtraining, das bestätigst du auch mit deinem Kommentar :-). Ich merke, dass ich, wenn ich barfuß gehe, einen sauberen Gang habe, ohne Aufdrehen der Hüften oder Ausstellen der Füße. Ich achte schon seit längerem auf meinen Gang (und Laufstil) und arbeite daran. Meine Supinationstendenzen beim Joggen haben spürbar nachgelassen, was meinen Achillessehnen gut tut. So soll´s weitergehen.
      Den Sole Runner, den ich hier getestet habe, habe ich übrigens tatsächlich bereits 2 Mal bei der Arbeit getragen :-). Sonst trage ich aber auch bei der Arbeit seit ein paar Jahren nur echte Barfußschuhe von Vivobarefoot. Typische Anzugschuhe kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen. Am liebsten wäre ich auch bei der Arbeit nur noch barfuß :-).

      Dir weiterhin viel Spaß beim Barfußlaufen (also Gehen 🙂 ) und Laufen (Joggen) in Natural Running-Schuhen.

      Viele Grüße,
      Peter

      1. Haha ja so gehts mir eben auch. Ich trage bei der Arbeit die Leguanosocken (auch zum Kleid oder Hosenanzug) und werde oft gefragt ob ich sockig rumlaufe oder was das für komische Dinger an meinen Fuessen sind. Eine Kollegin hat mir auch schon offen gesagt dass sie Barfussschuhe in meiner Position nicht angemessen findet. (Daher wäre ganz barfuß auch ein No-Go, außerdem muss ich ab und zu ins Labor oder in die Fertigung)
        Da ich mich aber ansonsten tadellos kleide und die Leguanos in schwarz auch relativ neutral sind (ich meine jetzt verglichen mit dem Vibram Zehenschuhen), kann niemand so richtig was sagen.
        normale Schuhe oder sogar welche mit Absatz trage ich maximal als Austauschschuhe während Vorträgen oder ultrawichtigen Meetings. Da bin ich mittlerweile schmerzbefreit und kompromisslos 😀

        1. Finde ich super 🙂 . Es wäre toll, wenn mehr Menschen sich dafür öffnen bzw. überhaupt erst über das Thema Schuhe und was sie sich mit den „normalen“ Schuhen Tag für Tag antun, nachdenken würden. Vielleicht trägt mein Beitrag und die anderen Blogger, die darüber schreiben, ein wenig dazu bei.

          Viele Grüße,
          Peter

  4. Hallo Peter,
    Tut mir leid dass du hinterher laufen musstest.
    Wie du schon schreibst, habe ich ja vor im Frühjahr 2018 den Marathon deutlich unter 3 Stunden in Barfussschuhen zu laufen. Als Trainer mit dem entsprechenden Hintergrundwissen nehme ich mir bewusst viel Zeit für die Vorbereitung des Events. Tatsächlich werde ich ein wenig von deiner alternativen Marathonvorbereitung abweichen, um meine passive Strukturen an die Wettkampfdistanz zu gewöhnen. Ich werde also einige wenige längere Läufe über mehr als 30km in den Sole Runnern schon vor dem Marathon laufen. Deckungsgleich ist trotzdem der niedrige wöchentliche Gesamtumfang zwischen 30-50km. Ich gönne mir also viel Regeneraionszeit.
    Ich bin mit dem Vorhaben nicht unvernünftig. Mein Bewegungsablauf ist seit Jahren sehr Gelenkschonend, kraftsparend und deshalb auch schnell. Außerdem bringt mein sportlicher Berufsalltag eine sehr gute Beweglichkeit und Bewegungskontrolle mit sich. Ich musste also nichts verändern. Vielen Läufern geht das nicht so.
    Das Barfusslaufen kann ich stark empfehlen. Es bietet viele gesundheitliche Vorteile. Aufgrund des Alltags ist die körperliche Leistungsfähigkeit vieler Menschen stark eingeschränkt. Diese sollten tatsächlich behutsam daran arbeiten, um Verletzungen zu vermeiden (ich habe mit meinen Sole Runnern auch mit 6km und nicht mit HM) begonnen).
    Das Thema ist so schön, ich könnte noch Stunden schreiben.

    1. Hallo Andreas,
      das ist toll, dass du mich auf meiner Seite beehrst und einen fundierten Kommentar hinterlässt 🙂 . Dem, was du schreibst, ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ich hätte auch keine Sekunde daran gezweifelt, dass deine Vorbereitung auf HH2018 in einem sehr vernünftigen Rahmen verläuft; dafür kenne ich dich zu gut 🙂 .
      Ja, das Thema ist tatsächlich sehr spannend. Zur Zeit genieße ich es allerdings noch mehr, barfuß zu gehen. Morgens, wenn der Rasen noch nass ist, macht es einfach nur Spaß -nicht nur meinem Hund-. Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit nehme ich öfter einen Umweg an der Trave entlang und ziehe da meine Schuhe aus -das sieht bestimmt ulkig aus, barfuß im Anzug-. Die Füße/die Fußsohlen gewöhnen sich immer mehr an die verschiedenen Untergründe. Wenn ich nach dem Wochenende wieder Socken und Schuhe anziehen muss, fühlt sich das mittlerweile unnatürlich an; so schnell geht das.
      Wir tauschen uns bezüglich deiner Marathonvorbereitung bestimmt noch öfter aus. Vielleicht schreibst du dann auch noch einen Gastbeitrag darüber, der wäre bestimmt super spannend.
      Ach so, hinter dir her zu laufen, ist keine Schande 🙂 .
      Viele Grüße
      Peter

  5. Hey Peter,

    kurze Anmerkung vorweg: Durch das Barfußlaufen wird sich meines Wissens weniger die Hornhaut (bis auf anfangs), sondern vielmehr weiche und durchblutete Lederhaut bilden. Das nur so am Rande 😉

    Ich habe mir jetzt gestern, inspiriert durch dich, auch wenn ich kein Läufer bin (du bist ja zudem auch überzeugter „Barfußgeher“ ;)), die Vivobarefoot Flex Men bestellt. Die kommen (hoffentlich) morgen an und ich bin schon ganz gespannt auf die ersten und natürlich alle folgenden „Fast-Barfuß-Erfahrungen“ draußen.

    Grüße
    David

    1. Hallo David,
      vielen Dank für deinen Kommentar, es freut mich, dass ich dich inspirieren konnte :-).
      Du hast recht, es bildet sich im Endeffekt eine Art Lederhaut, die besser durchblutet wird.
      Ich wünsche dir viele tolle Erfahrungen mit den neuen Barfußschuhen und wer weiß, vielleicht wirst du ja noch ein Läufer 🙂 .
      Viele Grüße
      Peter

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